Radtour
Mittwoch, 1. April 2009, 08:26
Die lange Vorbereitungsphase war nun endlich dem Ende zugegangen und das Equipment war vollständig.

Das Fahrrad welches bekanntlich „Duke of Australia“ heißt, war startbereit. Mein Anhänger der üblich für den Transport von Kleinkindern gebraucht wird, war bis obenhin mit Reisegepäck gefüllt und brachte ein Gesamtgewicht von ca. 30 Kg auf die Waage. Trotz alle dem habe ich mich nicht entmutigen lassen und mich schließlich auf den 1300 Kilometer langen Weg nach Melbourne gemacht.

Die berüchtigte grüne Australienkarte kommt hier mal wieder zum Einsatz.
Von Sydney nach Melbourne sind es entlang der Küste etwa 1300 Kilometer. Die kleinen gelben Punkte zwischen den beiden Großstätten markieren meine Übernachtungsstätten und andere wichtige Wegpunkte.
1.) Sydney
2.) Stanwell Parks
3.) Kiama
4.) Hutchinson
5.) Ulladulla
6.) Guerrilla Bay
7.) Narooma
8.) Merimbula
9.) Traralgon
10.) Melbourne
Nach dem ich auf dem Highway aus der Stadt am Hafen herausgefunden habe, führte mich der Pfad durch den ersten Nationalpark Australiens, dem „Royal National Park“ dieser war nicht nur wunderbar anzuschauen sonst auch unglaublich steil und anstrengend mit dem Fahrrad. Berg auf merkt man jedes der 30 Kilogramm welche einen extrem zurückziehen. Nach cirka sechs Stunden Fahrrad fahren durch Großstadt oder Dschungelgebiet,

bin ich den letzten Anstieg des National Park hinauf geklettert. Nach diesem finalen Kraftakt wurde ich mit diesem Ausblick namens „Otford Lookout“ belohnt.
Ein kleiner Snack wurde dann hier verspeist und der herrliche Ausblick genossen.

Ein paar Kilometer weiter berg ab habe ich dann das erste Etappenziel erreicht „Stanwell Parks“.
Das kleine Örtchen an der Ostküste zwischen Sydney und Wollongong war Heimatort von Lawrence Hargrave. Er war Pioneer für die Entwickelung von Flugzeugen. In der Bucht von Stanwell Parks herrschen durch extreme Aufwinde hervorragende Bedingungen um diese Forschungen an zustellen. Heute wird der Luftraum von Segelfliegern, anderen Gleitern und tropischen Vögeln beherrscht.
Nach dem ich endlich in Stanwell Parks angekommen bin habe ich mein Abendbrot mit Einheimischen geteilt.
Das erste Nachtquartier wurde dann aufgeschlagen. Das Segelfliegerlandegebiet wurde dann zum Campingplatz um funktioniert und die erste Nacht unter klarem Sternenhimmel verbracht.

Am nächsten morgen wurde ich dann durch die alten Freunde vom letzten Abendessen aufgeweckt. Kakadus scheinen keine Langschläfer zu sein, Weiterhin sind sie morgens lauter als fünf, Sechsjährige sonntagmorgens die Spielen wollen.
Demnach konnte ich mich schon gegen sieben Uhr mit „duke“ auf den Weg machen.
Das zweite Tagesziel hieß Kiama und war Zirka 85 Kilometer weiter südlich.
Am zweiten Tag begann dann der Fluch, der mich die nächste Woche begleiten sollte.
Ich dachte zu erst dass ich mit meiner kleinen Sonnencremeflasche nicht weit komme.
Im Endeffekt habe ich nicht den kleinsten Tropfen des weißen Gutes gebraucht.
Regen war nun angesagt und das den ganzen Tag durch. Dieser kühlte mich zwar ein bisschen ab, jedoch ist der Zugwind nicht sonderlich angenehm wenn es mit 50 Km/h berg ab geht.
Die Tagesetappe brachte mich jedoch entlang der wunderschönen Ostküste weiter in den Süden. Die Tagesattraktion war dabei die Sea Cliff Bridge die 2005 errichtet wurde, In solchen Momenten weiß man warum man sich den Tag davor Berg auf gequält und Berg ab auf Neues gefreut hat.

Dieser Ausblick ist nicht nur wunderbar anzusehen, es gibt einem auch das gute Gefühl sehen zu können wo man morgens gestartet ist und wie viel man schon geschafft hat.
Kurz vor Wollongong habe ich komplett durchnässt vom regen erst mal die Klamotten gewechselt und bin mit einem anderen Rennradler ins Gespräch gekommen.
Er war sehr angetan von meiner Geschichte und plante mit Freunden Australien von Perth (welches ganz im Western der Nation liegt) nach Sydney zu durchqueren.
Demnach hat er sich für die Ausrüstung interessiert. Ich hab ihm Angeboten es ein bisschen auszuprobieren. Da ich vom letzten Regensturm kaum noch „Körner hatte“ wie man im Radjargon sagt (für nicht mehr können) war ich Froh dass er mal mein Gepäck durch die Gegend kutschierte.

Angekommen im verregneten Kiama habe ich mich nach 8 Stunden auf dem Fahrrad und 6 Stunden regen auf eine warme Dusche wie lange nicht mehr gefreut,
Die Jugendherberge wurde auf gesucht und ich bin schließlich getrocknet und umgehend ins Bett gefallen.

Am nächsten morgen hat sich das Wetter kein bisschen verändert. Kiama wurde somit im Regen erkundet. Kiama’s Hauptattraktion ist ein „blowhole“ an der Küstengegend.
Hier hat das Wasser in hunderten von Jahren ein riesiges Loch in den Stein gefressen.
Wenn nun große Wassermengen auf dieses Loch gepresst wird, wird dieses vulkanartig zusammengepresst und schießt in die Höhe.

Nach dem ich Kiama’s spektakulärsten Ort ausgiebig erkundet hatte habe ich mich ins Stadtzentrum zum Frühstück begeben.
Dort hat mich ein älterer Herr angesprochen, er war an meinen Reisetätigkeiten interessiert.
Nach kurzer Einführung in die Gegebenheiten hat er von seiner Jugend als Radabenteurer erzählt. Nachdem er sich mein Equipment angeschaut hat und meine Pedalen genauer inspizierte, guckte er mir kurz in die Augen und meinte: „Mein Name ist Less. Bursche, genieße du dein Frühstück. Ich bin in 10 Minuten wieder da. Ich hab da was für dich!“
Da er äußerst kompetent und nett erschien habe ich auf ihn gewartet. Kurze Zeit später kam er mit einem neuen Paar Pedalen wieder in die man die Füße einbinden kann sodass man die Kraft doppelt auf die Pedale bringen kann (treten und hochziehen).
Er meinte dass ich die doch sehr gut bebrauchen könne, sein Freund führt einen Fahrradladen im Ort.
Er hat mir noch weiterhin den Tipp gegeben auf meine Knie Obacht zugeben, also nicht zu viel Kraft auf die Pedale zubringen.
Da ich mein rechtes Knie schon nach dem zweiten Tag gemerkt habe, kam der Rat des guten Mannes zur richtigen Zeit.
Ich habe mich, nachdem ich mich von „Less“ verabschiedet habe, bin ich zur Postniederlassung gefahren und habe acht Kilo überflüssiges Gepäck vor nach Melbourne geschickt.
Mit neuem Equipment, 8 Kilogramm weniger und dadurch neu gewonnenem Mut ging es auf den Weg ins 70 Kilometer entfernte Hutchinson.
Die Straße war wie gewohnt nass und wie überall auf meiner Strecke ging es ständig Berg auf und ab.
(Falls man es nicht verstehen konnte:
Nach windbedingtem, verwackeltem Intro lautet der Text
15 Grad kalt, regen wie sau und Windstärke gefühlte zehn. Ich fühl mich hier wie in Norwegen, nicht wie in Australien. Es ist Sch… kalt.)
Nach einem äußerst harten Vormittag wurde ich dann gegen Mittag jedoch mit diesem wunderbaren Ausblick belohnt. Dies war bis jetzt eines der schönsten Umgebungen eines der hundert Marmeladenbrote zu verspeisen.

Neben diesem süßen Energielieferanten habe ich wohl die halbe Bananenernte Nordaustraliens auf der Fahrradtour verspeist.
Da jedoch im Norden des Landes extreme Fluten herrschten und im Süden die Waldbrände ganze Landzüge vernichteten stieg der Bananenpreis täglich.
Am ersten Tag war das Kilo für 3 Dollar zu kriegen. Am Ende haben 6 Bananen stolze acht Dollar gekostet. Aber ständiges essen ist das wichtigste. Sobald man auf dem Fahrrad Hunger verspürt ist es zu spät.
Esse wenn du keinen Hunger hast. Trinke wenn du nicht durstig bist.
Das ist die goldene Regel.
In Hutchinson angekommen wartete der weißeste Sand am „Jervis Bay“ auf mich.
Leider war es nicht unbedingt das beste Badewetter. Der Strand sah trotz alledem beeindruckend aus.

Die Nächte habe ich Wechselspiel zwischen Zelten und Jugendherbergen verbracht.
Diesen Abend wurde in der Umgebung des weißesten Strandes der Welt genächtigt.
Nach einer unruhigen Nacht ging es morgens nach Bananen, Marmelade und Milch weiter. Das Tagesziel hieß dieses mal Ulladulla.
Als nun wieder auf dem Drahtesel saß, und die Straße mich weg von der Küste in die nächste hügelige Gegend führte habe ich die Erfahrung gemacht wie viel Energie einem ein einziges Straßenschild geben kann.
Die Situation war folgende. Es ging steil Berg auf und die Beine machten nicht mehr ganz so mit wie am Anfang des Tages. Der Regen hörte nicht auf zu prasseln und ich war wieder völlig durchnässt.
Das Lied das ich grade über die Kopfhörer vorgespielt bekam ging mir völlig auf die Nerven und ich hab mich selbst gefragt: „Warum machst du das eigentlich? Es gibt doch auch ne Zugverbindung“.
Die Stimmung war am Boden, instinktiv habe ich nach oben geschaut und folgendes Straßenschild lachte mich an:

Das erste Straßenschild das mir bis dahin die Entfernung bis nach Melbourne verriet.
Plötzlich durchrauschte ein Schlag von purer Energie meinen Körper und alle negativen Umstände von zuvor waren vergessen.
Nun wusste ich es geht voran!
Minuten später hörte auch der Regen auf und ich konnte dieses Schattenfoto schießen.

Nach jedem Regen kommt also echt auch immer ein Sonnenschein!
Auch wenn es nur eine kurze Zeit Sonne war. Es war ein toller Moment vor diesem Straßenschild.
Kurz bevor ich mein Tagesziel erreicht habe, schlug der Regen noch mal richtig zu.
Es war nicht mehr möglich weiter zufahren. Deshalb habe ich mich in die nächste schützende Garage begeben.
Dort angekommen kam der Besitzer des Hauses minutenspäter mit dem Auto in die Garage gefahren und wir kamen ins Gespräch. Er hat mich auf eine Tasse wärmenden Tee eingeladen. George, ein eingewanderter Ire, lebte mit seiner Frau in Ulladulla.
Der Tee war ein fantastischer Weg den kalten Körper wieder auf Temperaturen zu bringen.
Georges Frau hat meinen nassen Klamotten dann noch mit Hilfe des Wäschetrockners das Wasser ausgetrieben und mich mit neuen Jacken ausgestattet.
Überwältigt von der Gastfreundschaft bin ich dann nach zirka 20 Minuten wieder auf das Fahrrad in Richtung Jugendherberge wo ich die nächste Nacht verbracht habe.
In der Herberge angekommen habe ich einen jungen Amerikaner kennen gelernt der zufällig auf der gleichen Route unterwegs war.
Er hatte jedoch den Entschluss gefasst nun abzubrechen und zurück zufahren weil das Regenwetter und die Buschfeuer die vor uns lagen ihn demotiviert hatten.
Ich konnte ihn zwar überzeugen dass die Feuer uns nichts anhaben werden weil diese zu weit von unserer Route entfernt waren, zusammen sind wir aber leider nicht weiter gefahren. Er hat sein Equipment verkauft und den Bus nach Melbourne genommen.
Der nächste Tag begann mit einer Sensation. Seit 5 Monaten habe ich mich nach einer guten Schnitte Brot gesehnt. Ob in Japan oder Australien, dunkles Brot nach deutscher Manier ist sehr schwer auf zutreiben.
Besonders wenn man, wie auf dem Fahrrad, viel Energie braucht kommt einem ein ertragreiches Frühstück schon sehr entgegen. Endlich haben unsere zwei reichsten deutschen mich dann glücklich gemacht und im weit entfernten Ulladulla habe ich einen guten, alten ALDI ausfindig machen können. Dort gab es das lang ersehnte Qualitätsbrot.

Das Merkwürdigste war jedoch dass in dem ALDI auf der anderen Seite der Weltkugel alles, aber wirklich alles genau gleich ist wie in einer Filiale in Deutschland. Ob Müsli, Brot, Milch oder Käse alles steht am genau gleichen Platz. Sogar die Fliesen, Registrierkassen und unfreundlichen Mitarbeiter sind die gleichen. Ich hab mich richtig wohl gefühlt.
Gut ausgestattet und mit weiteren Schmerzen im Knie ging es dann auf nach Batemans Bay.
Die Strecke dahin war unspektakulär hat jedoch Spaß gemacht nachdem das Knie Ruhe gab.
Batemans Bay war mein erster Zwischenstopp an diesem Tag und das kleine Städtchen war schön anzusehen wie es dort am Wasser lag.

Die Tagesetappe war jedoch noch lange nicht vorbei und so ging es nach kurzem Snack (dieses mal mit gutem Brot) weiter nach Guerilla Bay.
Dort habe ich an der gleichnamigen Bucht mein Nachtlager aufgeschlagen. In einer schöneren Gegend als dieser habe ich bis jetzt noch nicht campiert.
Am Morgen wurde dann mal nicht geduscht sondern gebadet und der sechste Tag startete in Richtung Narooma.
Dieser Tag hielt wieder einige Neuigkeiten für mich bereit. Nach der ersten Stunde kam ich wieder an wunderbaren Ausblicken vorbei.

Die zweite und dritte Stunde könnte man dann als „Einführung in die Australische Tierwelt“ bezeichnen.
Der gesamte Küstenabschnitt wird als „kangaroocoast“ bezeichnet da hier an Stränden und in der Landschaft sehr viele wild lebende Kängurus leben. Das Glück war jedoch nicht auf meiner Seite, sodass mein erstes Känguruerlebnis den bitteren Beigeschmack einer Trauerfeier bekam.

Die letzten vier Stunden war nur noch Purer Kampf angesagt, es ging ausschließlich Berg auf und ab und das Knie meldete sich auch zu Wort.
Das Ziel war jedoch fest im Auge und die Bereitschaft zu kämpfen nie größer.

Dieses ist eines meiner Lieblingsbilder der Radtour. Es erinnert mich umgehend daran wie hart es war, jedoch ist es ein befreiendes Gefühl alles um sich herum vergessen zu können um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Immer wenn ich dieses Bild sehe, sehne ich mich nach dem „Duke of Australia“.
In Narooma angekommen ging es umgehend zur Herberge. Dort habe ich nach dem Abendessen mit zwei Kaliforniern den Rest des Tages mit Regeneration und Schlafen verbracht. Am nächsten morgen musste ich Tribut an die vergangenen anstrengenden Tage zahlen. Der Regen in Kombination mit der Zugluft hatten mir eine Erkältung eingebracht die mich einen Tag ans Bett gefesselt hat.
Für einen Tag war ich dann mal unmündige Marionette der geistlichen Autorität und habe mich der Doktrin des arbeitsfreien Sonntags unterworfen.
Montagmorgens ging es dann mit neuem Elan und neuer Kraft auf den Weg nach Merimbula.
Auf dem Weg dorthin bin ich durch den kleinen Ort „Akolele“ gefahren wo ich dem Namen wegen für ein kleinen Snack und ein Spiel auf der mitgetragenen Ukulele angehalten habe.

Zwischen Akolele und dem Ort Tathra war die Strecke wunderschön und gezeichnet von vielen Holzbrücken die charakteristisch für diese Gegend sind.

Weiter ging es weiter und weiter Berg auf und Berg ab entlang der australischen Ostküste.
Die Gegend dort war einfach ein großer Unterschied zum australischen Großstadt Gewimmel in dem ich den Monat zuvor verbracht habe. Die Straßen hier können manchmal Kilometer nur geradeaus gehen. Im Vergleich zum längsten Stück gerader Straße war dieses hier jedoch gar nichts. Das längste Stück schnurgrade Straße der Welt liegt in Western Australia und beträgt 146,6 Kilometer.
Wenn Radfahrer das Land durchqueren von Perth nach Sydney fahren sie normalerweise entlang dieses graden Stücks. In diesem Teil der Strecke müssen sich die Fahrer merken auf welcher Seite der Strasse sie übernachten. Sonst kann es passieren dass man in die falsche Richtung weiterfährt, also zurück. Dies passiert weil man keinen Unterschied zwischen den beiden Richtungen ausmachen kann und somit würde man seine Leistung von 1-2 Tagen zunichte machen.
Leider bin ich diese Strecke nicht fahren können. Meinen Abschnitt könnte man als kleinen Bruder bezeichnen. Trotzdem war es aufregend dort zufahren. Man fährt stets geradeaus und kann noch nicht mal sehen wohin es führt, man weiß nur dass es dich zur nächsten Übernachtung bringt. Obwohl es also hoch und runter geht, es nass und kalt, heiß und windig ist. Man fährt unbetrübt weiter und lauert der Dinge die da kommen. Meist sind es tolle.

Nach dem ich am achten Tag die weiteste Strecke von 120 Kilometern bis dahin gefahren bin, habe ich die Jugendherberge in Merimbula noch rechtzeitig erreichen können.
Das Zimmer habe ich mir mit zwei Japanern geteilt welche es nicht fassen konnten dass ich ihr Heimatland besucht hatte. Kurz um hat die japanische Gastfreundschaft wieder zugeschlagen und sie haben mich auf’s Essen eingeladen.
Nach einem köstlichen Mahl ging es dann früh ins Bett um morgens den Weg nach Eden anzugreifen.
Nachdem ich beim Hostel losgefahren bin, musste ich nach 5 Minuten auf dem Fahrrad eine Hiobsbotschaft ertragen:
TECHNISCHER DEFEKT!
Mein Gepäckanhänger der mich bis dahin traumhaft unterstützt hat, hat nach einem kleinen Unfall einen irreparabelen Schaden erlitten.
Die Verbindung zwischen Fahrrad und Anhänger war gerissen.
In Merimbula selber gab es keine Filiale des K-Mart Supermarktes wo ich meinen Trailer gekauft habe. Nach kurzer Krisensitzung, Abschätzung der möglichen Auswege und Gespräch zwischen Herz und Hirn, blieb mir nichts anderes übrig als mich für den meiner Meinung nach schlimmsten Ausweg zu entscheiden.
Schweren Herzens habe ich zum Telefon gegriffen und Mir ein Busticket zum nächsten
K-Mart gelöst. Dieser lag traurigerweise 300 Kilometer westlich.
Sodass nur noch 150 Kilometer bis Melbourne übrig waren.
Ich fand es sehr traurig so zum Betrug gezwungen zu werden, aber man kann das Glück ja nicht immer auf seiner Seite haben.
Ich habe den „Duke of Australia“ dann reisebereit gemacht und wir haben uns zusammen im Bus nach Traralgon begeben.

Dort angekommen wurde der Trailer umgetauscht und mit neuem Equipment ging es dann nach Melbourne.
Der letzte Tag der Reise führte mich zwar lediglich über Highwaystrecken und durch Vorstadtgebiete doch brachte mich zum lang ersehnten Ziel, dem wunderbaren Melbourne.

Obwohl es im Endeffekt nicht genau so geklappt hat wie ich es mir vorgestellt habe, ich zwei Sachen gelernt: Immer wenn es Berg auf geht,

kommt irgendwann auch wieder ein Tal.

Und wenn man kämpft, durchhält und auf die Zähne beißt wird man früher oder später dafür belohnt.
Insgesamt bin ich sehr froh dass ich diesen Trip gemacht habe. Ich habe atemberaubende Dinge gesehen und vieles gelernt. Ich freue mich jetzt schon drauf das nächste mal Rennrad zufahren.
In Melbourne angekommen habe ich in einem Hostel im Stadtzentrum gelebt und gleich angefangen meinen guten Freund „Duke of Australia“ einem nächsten ambitionierten Radfahrer weiter zureichen.
Nachdem die ersten Werbeversuche in Internet und Flugblättern nur mäßigen Erfolg erbrachten, hatte ich die Idee mich einfach aufs Fahrrad zusetzen um mit dem Spruch „BIKE
4 SALE“ (Fahrrad zu verkaufen) aufsehen zu erregen.

Nachdem ich Zirka 45 Minuten durch die Stadt gefahren bin hatte ich zwei Interessenten gefunden. Der eine Interessent war ein junger Student aus Melbourne der ein guter Freund geworden ist und mit dem ich viel Zeit in Melbourne verbracht habe.
Dem anderen Interessenten habe ich am Ende mein Fahrrad inkl. Equipment welches ich zusammen für das ich alles zusammen A$ 450 ausgegeben habe für A$ 900 weiterverkauft. Danach habe ich gedacht in den professionellem Fahrradhandel einzusteigen wenn es doch immer so einfach sei.
Ich hatte zwar gegen Ende der Reise ein bisschen Pech mit dem Unfall, jedoch ist wieder mal alles gut ausgegangen.
Im nächsten Abschnitt folgen dann die Erlebnisse aus dem wunderbaren Melbourne.
Ich verspreche dass ich euch dieses mal nicht so lange darauf warten lasse.
Wenn aber nun mal jeden Tag aufregendste Sachen passieren ist es manchmal schwer in Erinnerungen zu welken.
Ich hoffe ihr genießt es weiterhin meinen Taten zufolgen,
Liebste Grüße aus der fantastischen Ferne.
Dein / Euer
Kevin

Das Fahrrad welches bekanntlich „Duke of Australia“ heißt, war startbereit. Mein Anhänger der üblich für den Transport von Kleinkindern gebraucht wird, war bis obenhin mit Reisegepäck gefüllt und brachte ein Gesamtgewicht von ca. 30 Kg auf die Waage. Trotz alle dem habe ich mich nicht entmutigen lassen und mich schließlich auf den 1300 Kilometer langen Weg nach Melbourne gemacht.

Die berüchtigte grüne Australienkarte kommt hier mal wieder zum Einsatz.
Von Sydney nach Melbourne sind es entlang der Küste etwa 1300 Kilometer. Die kleinen gelben Punkte zwischen den beiden Großstätten markieren meine Übernachtungsstätten und andere wichtige Wegpunkte.
1.) Sydney
2.) Stanwell Parks
3.) Kiama
4.) Hutchinson
5.) Ulladulla
6.) Guerrilla Bay
7.) Narooma
8.) Merimbula
9.) Traralgon
10.) Melbourne
Nach dem ich auf dem Highway aus der Stadt am Hafen herausgefunden habe, führte mich der Pfad durch den ersten Nationalpark Australiens, dem „Royal National Park“ dieser war nicht nur wunderbar anzuschauen sonst auch unglaublich steil und anstrengend mit dem Fahrrad. Berg auf merkt man jedes der 30 Kilogramm welche einen extrem zurückziehen. Nach cirka sechs Stunden Fahrrad fahren durch Großstadt oder Dschungelgebiet,

bin ich den letzten Anstieg des National Park hinauf geklettert. Nach diesem finalen Kraftakt wurde ich mit diesem Ausblick namens „Otford Lookout“ belohnt.
Ein kleiner Snack wurde dann hier verspeist und der herrliche Ausblick genossen.

Ein paar Kilometer weiter berg ab habe ich dann das erste Etappenziel erreicht „Stanwell Parks“.
Das kleine Örtchen an der Ostküste zwischen Sydney und Wollongong war Heimatort von Lawrence Hargrave. Er war Pioneer für die Entwickelung von Flugzeugen. In der Bucht von Stanwell Parks herrschen durch extreme Aufwinde hervorragende Bedingungen um diese Forschungen an zustellen. Heute wird der Luftraum von Segelfliegern, anderen Gleitern und tropischen Vögeln beherrscht.
Nach dem ich endlich in Stanwell Parks angekommen bin habe ich mein Abendbrot mit Einheimischen geteilt.
Das erste Nachtquartier wurde dann aufgeschlagen. Das Segelfliegerlandegebiet wurde dann zum Campingplatz um funktioniert und die erste Nacht unter klarem Sternenhimmel verbracht.

Am nächsten morgen wurde ich dann durch die alten Freunde vom letzten Abendessen aufgeweckt. Kakadus scheinen keine Langschläfer zu sein, Weiterhin sind sie morgens lauter als fünf, Sechsjährige sonntagmorgens die Spielen wollen.
Demnach konnte ich mich schon gegen sieben Uhr mit „duke“ auf den Weg machen.
Das zweite Tagesziel hieß Kiama und war Zirka 85 Kilometer weiter südlich.
Am zweiten Tag begann dann der Fluch, der mich die nächste Woche begleiten sollte.
Ich dachte zu erst dass ich mit meiner kleinen Sonnencremeflasche nicht weit komme.
Im Endeffekt habe ich nicht den kleinsten Tropfen des weißen Gutes gebraucht.
Regen war nun angesagt und das den ganzen Tag durch. Dieser kühlte mich zwar ein bisschen ab, jedoch ist der Zugwind nicht sonderlich angenehm wenn es mit 50 Km/h berg ab geht.
Die Tagesetappe brachte mich jedoch entlang der wunderschönen Ostküste weiter in den Süden. Die Tagesattraktion war dabei die Sea Cliff Bridge die 2005 errichtet wurde, In solchen Momenten weiß man warum man sich den Tag davor Berg auf gequält und Berg ab auf Neues gefreut hat.

Dieser Ausblick ist nicht nur wunderbar anzusehen, es gibt einem auch das gute Gefühl sehen zu können wo man morgens gestartet ist und wie viel man schon geschafft hat.
Kurz vor Wollongong habe ich komplett durchnässt vom regen erst mal die Klamotten gewechselt und bin mit einem anderen Rennradler ins Gespräch gekommen.
Er war sehr angetan von meiner Geschichte und plante mit Freunden Australien von Perth (welches ganz im Western der Nation liegt) nach Sydney zu durchqueren.
Demnach hat er sich für die Ausrüstung interessiert. Ich hab ihm Angeboten es ein bisschen auszuprobieren. Da ich vom letzten Regensturm kaum noch „Körner hatte“ wie man im Radjargon sagt (für nicht mehr können) war ich Froh dass er mal mein Gepäck durch die Gegend kutschierte.

Angekommen im verregneten Kiama habe ich mich nach 8 Stunden auf dem Fahrrad und 6 Stunden regen auf eine warme Dusche wie lange nicht mehr gefreut,
Die Jugendherberge wurde auf gesucht und ich bin schließlich getrocknet und umgehend ins Bett gefallen.

Am nächsten morgen hat sich das Wetter kein bisschen verändert. Kiama wurde somit im Regen erkundet. Kiama’s Hauptattraktion ist ein „blowhole“ an der Küstengegend.
Hier hat das Wasser in hunderten von Jahren ein riesiges Loch in den Stein gefressen.
Wenn nun große Wassermengen auf dieses Loch gepresst wird, wird dieses vulkanartig zusammengepresst und schießt in die Höhe.

Nach dem ich Kiama’s spektakulärsten Ort ausgiebig erkundet hatte habe ich mich ins Stadtzentrum zum Frühstück begeben.
Dort hat mich ein älterer Herr angesprochen, er war an meinen Reisetätigkeiten interessiert.
Nach kurzer Einführung in die Gegebenheiten hat er von seiner Jugend als Radabenteurer erzählt. Nachdem er sich mein Equipment angeschaut hat und meine Pedalen genauer inspizierte, guckte er mir kurz in die Augen und meinte: „Mein Name ist Less. Bursche, genieße du dein Frühstück. Ich bin in 10 Minuten wieder da. Ich hab da was für dich!“
Da er äußerst kompetent und nett erschien habe ich auf ihn gewartet. Kurze Zeit später kam er mit einem neuen Paar Pedalen wieder in die man die Füße einbinden kann sodass man die Kraft doppelt auf die Pedale bringen kann (treten und hochziehen).
Er meinte dass ich die doch sehr gut bebrauchen könne, sein Freund führt einen Fahrradladen im Ort.
Er hat mir noch weiterhin den Tipp gegeben auf meine Knie Obacht zugeben, also nicht zu viel Kraft auf die Pedale zubringen.
Da ich mein rechtes Knie schon nach dem zweiten Tag gemerkt habe, kam der Rat des guten Mannes zur richtigen Zeit.
Ich habe mich, nachdem ich mich von „Less“ verabschiedet habe, bin ich zur Postniederlassung gefahren und habe acht Kilo überflüssiges Gepäck vor nach Melbourne geschickt.
Mit neuem Equipment, 8 Kilogramm weniger und dadurch neu gewonnenem Mut ging es auf den Weg ins 70 Kilometer entfernte Hutchinson.
Die Straße war wie gewohnt nass und wie überall auf meiner Strecke ging es ständig Berg auf und ab.
(Falls man es nicht verstehen konnte:
Nach windbedingtem, verwackeltem Intro lautet der Text
15 Grad kalt, regen wie sau und Windstärke gefühlte zehn. Ich fühl mich hier wie in Norwegen, nicht wie in Australien. Es ist Sch… kalt.)
Nach einem äußerst harten Vormittag wurde ich dann gegen Mittag jedoch mit diesem wunderbaren Ausblick belohnt. Dies war bis jetzt eines der schönsten Umgebungen eines der hundert Marmeladenbrote zu verspeisen.

Neben diesem süßen Energielieferanten habe ich wohl die halbe Bananenernte Nordaustraliens auf der Fahrradtour verspeist.
Da jedoch im Norden des Landes extreme Fluten herrschten und im Süden die Waldbrände ganze Landzüge vernichteten stieg der Bananenpreis täglich.
Am ersten Tag war das Kilo für 3 Dollar zu kriegen. Am Ende haben 6 Bananen stolze acht Dollar gekostet. Aber ständiges essen ist das wichtigste. Sobald man auf dem Fahrrad Hunger verspürt ist es zu spät.
Esse wenn du keinen Hunger hast. Trinke wenn du nicht durstig bist.
Das ist die goldene Regel.
In Hutchinson angekommen wartete der weißeste Sand am „Jervis Bay“ auf mich.
Leider war es nicht unbedingt das beste Badewetter. Der Strand sah trotz alledem beeindruckend aus.

Die Nächte habe ich Wechselspiel zwischen Zelten und Jugendherbergen verbracht.
Diesen Abend wurde in der Umgebung des weißesten Strandes der Welt genächtigt.
Nach einer unruhigen Nacht ging es morgens nach Bananen, Marmelade und Milch weiter. Das Tagesziel hieß dieses mal Ulladulla.
Als nun wieder auf dem Drahtesel saß, und die Straße mich weg von der Küste in die nächste hügelige Gegend führte habe ich die Erfahrung gemacht wie viel Energie einem ein einziges Straßenschild geben kann.
Die Situation war folgende. Es ging steil Berg auf und die Beine machten nicht mehr ganz so mit wie am Anfang des Tages. Der Regen hörte nicht auf zu prasseln und ich war wieder völlig durchnässt.
Das Lied das ich grade über die Kopfhörer vorgespielt bekam ging mir völlig auf die Nerven und ich hab mich selbst gefragt: „Warum machst du das eigentlich? Es gibt doch auch ne Zugverbindung“.
Die Stimmung war am Boden, instinktiv habe ich nach oben geschaut und folgendes Straßenschild lachte mich an:

Das erste Straßenschild das mir bis dahin die Entfernung bis nach Melbourne verriet.
Plötzlich durchrauschte ein Schlag von purer Energie meinen Körper und alle negativen Umstände von zuvor waren vergessen.
Nun wusste ich es geht voran!
Minuten später hörte auch der Regen auf und ich konnte dieses Schattenfoto schießen.

Nach jedem Regen kommt also echt auch immer ein Sonnenschein!
Auch wenn es nur eine kurze Zeit Sonne war. Es war ein toller Moment vor diesem Straßenschild.
Kurz bevor ich mein Tagesziel erreicht habe, schlug der Regen noch mal richtig zu.
Es war nicht mehr möglich weiter zufahren. Deshalb habe ich mich in die nächste schützende Garage begeben.
Dort angekommen kam der Besitzer des Hauses minutenspäter mit dem Auto in die Garage gefahren und wir kamen ins Gespräch. Er hat mich auf eine Tasse wärmenden Tee eingeladen. George, ein eingewanderter Ire, lebte mit seiner Frau in Ulladulla.
Der Tee war ein fantastischer Weg den kalten Körper wieder auf Temperaturen zu bringen.
Georges Frau hat meinen nassen Klamotten dann noch mit Hilfe des Wäschetrockners das Wasser ausgetrieben und mich mit neuen Jacken ausgestattet.
Überwältigt von der Gastfreundschaft bin ich dann nach zirka 20 Minuten wieder auf das Fahrrad in Richtung Jugendherberge wo ich die nächste Nacht verbracht habe.
In der Herberge angekommen habe ich einen jungen Amerikaner kennen gelernt der zufällig auf der gleichen Route unterwegs war.
Er hatte jedoch den Entschluss gefasst nun abzubrechen und zurück zufahren weil das Regenwetter und die Buschfeuer die vor uns lagen ihn demotiviert hatten.
Ich konnte ihn zwar überzeugen dass die Feuer uns nichts anhaben werden weil diese zu weit von unserer Route entfernt waren, zusammen sind wir aber leider nicht weiter gefahren. Er hat sein Equipment verkauft und den Bus nach Melbourne genommen.
Der nächste Tag begann mit einer Sensation. Seit 5 Monaten habe ich mich nach einer guten Schnitte Brot gesehnt. Ob in Japan oder Australien, dunkles Brot nach deutscher Manier ist sehr schwer auf zutreiben.
Besonders wenn man, wie auf dem Fahrrad, viel Energie braucht kommt einem ein ertragreiches Frühstück schon sehr entgegen. Endlich haben unsere zwei reichsten deutschen mich dann glücklich gemacht und im weit entfernten Ulladulla habe ich einen guten, alten ALDI ausfindig machen können. Dort gab es das lang ersehnte Qualitätsbrot.

Das Merkwürdigste war jedoch dass in dem ALDI auf der anderen Seite der Weltkugel alles, aber wirklich alles genau gleich ist wie in einer Filiale in Deutschland. Ob Müsli, Brot, Milch oder Käse alles steht am genau gleichen Platz. Sogar die Fliesen, Registrierkassen und unfreundlichen Mitarbeiter sind die gleichen. Ich hab mich richtig wohl gefühlt.
Gut ausgestattet und mit weiteren Schmerzen im Knie ging es dann auf nach Batemans Bay.
Die Strecke dahin war unspektakulär hat jedoch Spaß gemacht nachdem das Knie Ruhe gab.
Batemans Bay war mein erster Zwischenstopp an diesem Tag und das kleine Städtchen war schön anzusehen wie es dort am Wasser lag.

Die Tagesetappe war jedoch noch lange nicht vorbei und so ging es nach kurzem Snack (dieses mal mit gutem Brot) weiter nach Guerilla Bay.
Dort habe ich an der gleichnamigen Bucht mein Nachtlager aufgeschlagen. In einer schöneren Gegend als dieser habe ich bis jetzt noch nicht campiert.
Am Morgen wurde dann mal nicht geduscht sondern gebadet und der sechste Tag startete in Richtung Narooma.
Dieser Tag hielt wieder einige Neuigkeiten für mich bereit. Nach der ersten Stunde kam ich wieder an wunderbaren Ausblicken vorbei.

Die zweite und dritte Stunde könnte man dann als „Einführung in die Australische Tierwelt“ bezeichnen.
Der gesamte Küstenabschnitt wird als „kangaroocoast“ bezeichnet da hier an Stränden und in der Landschaft sehr viele wild lebende Kängurus leben. Das Glück war jedoch nicht auf meiner Seite, sodass mein erstes Känguruerlebnis den bitteren Beigeschmack einer Trauerfeier bekam.

Die letzten vier Stunden war nur noch Purer Kampf angesagt, es ging ausschließlich Berg auf und ab und das Knie meldete sich auch zu Wort.
Das Ziel war jedoch fest im Auge und die Bereitschaft zu kämpfen nie größer.

Dieses ist eines meiner Lieblingsbilder der Radtour. Es erinnert mich umgehend daran wie hart es war, jedoch ist es ein befreiendes Gefühl alles um sich herum vergessen zu können um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Immer wenn ich dieses Bild sehe, sehne ich mich nach dem „Duke of Australia“.
In Narooma angekommen ging es umgehend zur Herberge. Dort habe ich nach dem Abendessen mit zwei Kaliforniern den Rest des Tages mit Regeneration und Schlafen verbracht. Am nächsten morgen musste ich Tribut an die vergangenen anstrengenden Tage zahlen. Der Regen in Kombination mit der Zugluft hatten mir eine Erkältung eingebracht die mich einen Tag ans Bett gefesselt hat.
Für einen Tag war ich dann mal unmündige Marionette der geistlichen Autorität und habe mich der Doktrin des arbeitsfreien Sonntags unterworfen.
Montagmorgens ging es dann mit neuem Elan und neuer Kraft auf den Weg nach Merimbula.
Auf dem Weg dorthin bin ich durch den kleinen Ort „Akolele“ gefahren wo ich dem Namen wegen für ein kleinen Snack und ein Spiel auf der mitgetragenen Ukulele angehalten habe.

Zwischen Akolele und dem Ort Tathra war die Strecke wunderschön und gezeichnet von vielen Holzbrücken die charakteristisch für diese Gegend sind.

Weiter ging es weiter und weiter Berg auf und Berg ab entlang der australischen Ostküste.
Die Gegend dort war einfach ein großer Unterschied zum australischen Großstadt Gewimmel in dem ich den Monat zuvor verbracht habe. Die Straßen hier können manchmal Kilometer nur geradeaus gehen. Im Vergleich zum längsten Stück gerader Straße war dieses hier jedoch gar nichts. Das längste Stück schnurgrade Straße der Welt liegt in Western Australia und beträgt 146,6 Kilometer.
Wenn Radfahrer das Land durchqueren von Perth nach Sydney fahren sie normalerweise entlang dieses graden Stücks. In diesem Teil der Strecke müssen sich die Fahrer merken auf welcher Seite der Strasse sie übernachten. Sonst kann es passieren dass man in die falsche Richtung weiterfährt, also zurück. Dies passiert weil man keinen Unterschied zwischen den beiden Richtungen ausmachen kann und somit würde man seine Leistung von 1-2 Tagen zunichte machen.
Leider bin ich diese Strecke nicht fahren können. Meinen Abschnitt könnte man als kleinen Bruder bezeichnen. Trotzdem war es aufregend dort zufahren. Man fährt stets geradeaus und kann noch nicht mal sehen wohin es führt, man weiß nur dass es dich zur nächsten Übernachtung bringt. Obwohl es also hoch und runter geht, es nass und kalt, heiß und windig ist. Man fährt unbetrübt weiter und lauert der Dinge die da kommen. Meist sind es tolle.

Nach dem ich am achten Tag die weiteste Strecke von 120 Kilometern bis dahin gefahren bin, habe ich die Jugendherberge in Merimbula noch rechtzeitig erreichen können.
Das Zimmer habe ich mir mit zwei Japanern geteilt welche es nicht fassen konnten dass ich ihr Heimatland besucht hatte. Kurz um hat die japanische Gastfreundschaft wieder zugeschlagen und sie haben mich auf’s Essen eingeladen.
Nach einem köstlichen Mahl ging es dann früh ins Bett um morgens den Weg nach Eden anzugreifen.
Nachdem ich beim Hostel losgefahren bin, musste ich nach 5 Minuten auf dem Fahrrad eine Hiobsbotschaft ertragen:
TECHNISCHER DEFEKT!
Mein Gepäckanhänger der mich bis dahin traumhaft unterstützt hat, hat nach einem kleinen Unfall einen irreparabelen Schaden erlitten.
Die Verbindung zwischen Fahrrad und Anhänger war gerissen.
In Merimbula selber gab es keine Filiale des K-Mart Supermarktes wo ich meinen Trailer gekauft habe. Nach kurzer Krisensitzung, Abschätzung der möglichen Auswege und Gespräch zwischen Herz und Hirn, blieb mir nichts anderes übrig als mich für den meiner Meinung nach schlimmsten Ausweg zu entscheiden.
Schweren Herzens habe ich zum Telefon gegriffen und Mir ein Busticket zum nächsten
K-Mart gelöst. Dieser lag traurigerweise 300 Kilometer westlich.
Sodass nur noch 150 Kilometer bis Melbourne übrig waren.
Ich fand es sehr traurig so zum Betrug gezwungen zu werden, aber man kann das Glück ja nicht immer auf seiner Seite haben.
Ich habe den „Duke of Australia“ dann reisebereit gemacht und wir haben uns zusammen im Bus nach Traralgon begeben.

Dort angekommen wurde der Trailer umgetauscht und mit neuem Equipment ging es dann nach Melbourne.
Der letzte Tag der Reise führte mich zwar lediglich über Highwaystrecken und durch Vorstadtgebiete doch brachte mich zum lang ersehnten Ziel, dem wunderbaren Melbourne.

Obwohl es im Endeffekt nicht genau so geklappt hat wie ich es mir vorgestellt habe, ich zwei Sachen gelernt: Immer wenn es Berg auf geht,

kommt irgendwann auch wieder ein Tal.

Und wenn man kämpft, durchhält und auf die Zähne beißt wird man früher oder später dafür belohnt.
Insgesamt bin ich sehr froh dass ich diesen Trip gemacht habe. Ich habe atemberaubende Dinge gesehen und vieles gelernt. Ich freue mich jetzt schon drauf das nächste mal Rennrad zufahren.
In Melbourne angekommen habe ich in einem Hostel im Stadtzentrum gelebt und gleich angefangen meinen guten Freund „Duke of Australia“ einem nächsten ambitionierten Radfahrer weiter zureichen.
Nachdem die ersten Werbeversuche in Internet und Flugblättern nur mäßigen Erfolg erbrachten, hatte ich die Idee mich einfach aufs Fahrrad zusetzen um mit dem Spruch „BIKE
4 SALE“ (Fahrrad zu verkaufen) aufsehen zu erregen.

Nachdem ich Zirka 45 Minuten durch die Stadt gefahren bin hatte ich zwei Interessenten gefunden. Der eine Interessent war ein junger Student aus Melbourne der ein guter Freund geworden ist und mit dem ich viel Zeit in Melbourne verbracht habe.
Dem anderen Interessenten habe ich am Ende mein Fahrrad inkl. Equipment welches ich zusammen für das ich alles zusammen A$ 450 ausgegeben habe für A$ 900 weiterverkauft. Danach habe ich gedacht in den professionellem Fahrradhandel einzusteigen wenn es doch immer so einfach sei.
Ich hatte zwar gegen Ende der Reise ein bisschen Pech mit dem Unfall, jedoch ist wieder mal alles gut ausgegangen.
Im nächsten Abschnitt folgen dann die Erlebnisse aus dem wunderbaren Melbourne.
Ich verspreche dass ich euch dieses mal nicht so lange darauf warten lasse.
Wenn aber nun mal jeden Tag aufregendste Sachen passieren ist es manchmal schwer in Erinnerungen zu welken.
Ich hoffe ihr genießt es weiterhin meinen Taten zufolgen,
Liebste Grüße aus der fantastischen Ferne.
Dein / Euer
Kevin