Worldtrip
Check out where Kev is!
Kunst und andere Formen geistiger Erhellung
Donnerstag, 7. Mai 2009, 14:21
Von dem Trip durch Zentralaustralien zurück im großen Sydney angekommen wurde erstmal ein altbekannter Freund getroffen.
Der aufmerksame Leser kennt sicher noch meinen Freund Marko mit dem ich Ostküste Australiens heruntergesegelt bin, das Tramprennen von Brisbane nach Sydney gemacht habe und ein fantastisches Sylvester verbracht habe.
Nach vergleichsweise langer Zeit haben wir uns dann nun in seiner temporären Wahlheimat wieder getroffen und die letzte Woche zusammen verbracht.
Da ich ja zuvor schon einen Monat in Sydney gelebt und gearbeitet habe, hat sich das Entertainmentprogramm weniger auf neue Highlights konzentriert. Das heißt aber natürlich nicht dass ich nichts erlebt habe. Ganz im Gegenteil. Freunde wurden wieder getroffen und schon bekannte Sachen noch genauer unter die Lupe genommen.
Zuerst ging es mit allen WG-Bewohnern und anderen Freunden auf einen Wochenend-campingtrip. Der Ort hieß Brooklyn, erinnert aber nur vom Namen an sein Amerikanisches Ponton. Idyllisch liegt der kleine Ort, der zwar eine Stunde außerhalb Sydneys liegt aber immer noch dazu zählt, an einem Fluss. Sydney zählt Flächenmäßig mit Tokio, Los Angeles und Auckland zu den vier größten Städten der Welt.



Der Campingausflug wurde mit Angeln, Schwimmen und weiteren Outdooraktivitäten aufgepeppt. Das interessanteste an dem Ausflug war jedoch eine Bekanntschaft die wir gemacht haben. Abends stellte sich heraus dass der Naturcampingplatz ein Geheimtipp für Obdachlose sei. Dort haben wir dann die Bekanntschaft mit Norbert gemacht. Er hat alles in Deutschlands Westen verloren und dann entschieden auf ein Flugticket nach Australien zusparen um dort das Leben eines Wandermanns weiterzuführen. Irgendwo zwischen Absurdität und Gerissenheit hat er ein Bild hinterlassen.

Der Kurzausflug ins Grüne war dann auch schon wieder vorbei und der Weg in die Metropole wurde wieder angegriffen.
Dort habe ich mich dann ein letztes Mal mit einer Arbeitskollegin vom letzten Sydney Aufenthalt getroffen. Da es mein Wunsch war das Sydney Opera House noch mal zusehen, sind wir in Richtung Hafen gelaufen. Da sie aus Sydney kommt und die Stadt wie ihre Westentasche kennt war sie nicht so aufgeregt wie ich, es sollte sich aber noch auszahlen.
Das Opera House in Sydney hat mich jedes Mal fest in seinem Bann wenn ich davor stehe. Es ist meiner Meinung nach unglaublich beeindruckend. Als wir nach dem Spatziergang durch die Stadt am Wasser und natürlich der Oper angekommen sind, hat sich herausgestellt dass dort grade ein Konzert stattfindet. Ich habe mir gedacht als neuer Fan des tollen Gebäudes muss man es ja auch mal von innen gesehen haben.
Merkwürdigerweise standen alle Eingangstüren sperrangelweit offen und kein Mitarbeiter der Oper konnte uns Informationen über den Verkauf von Tickets geben. Nach ausgiebiger aber leider erfolgloser Suche haben wir uns dann in der Oper wieder gefunden. Dort wurde grade eine Interpretation Beethovens, Haydns und Béla Bartóks vorgeführt.



Das Konzert haben wir dann zusammen genossen und ich kann den Besuch im Opera House von Sydney auch von der „to do Liste“ streichen. Man muss sagen dass die Akustik unglaublich ist und sich ein Besuch wirklich auszahlt.

Die letzte Woche in Sydney zog sich also weiter ins Land und die letzten Organisationen für Neuseeland wurden getroffen. Ein Highlight habe ich mir jedoch für den letzten Tag aufbewahrt.
Als ich meine Reise durch die Weltgeschichte angetreten habe, stand mir der Kopf weniger nach Museen im altmodischen „Leinwand-Stil“. Ich habe es für banal gehalten sich extrem auf historische Kunst und seine Geschichte zu konzentrieren. Als liberaler Mensch der versucht Vorurteile möglichst zu meiden und seine Mitmenschen zu verstehen habe ich mich dann mal etwas genauer damit befasst und eine neue tolle Welt kennen gelernt. In welche Stadt ich auch komme lasse ich kaum ein Museum aus. Am schwersten sind jedoch zeitgenössische Museen zu finden. Dies hat mich bei all der Vielfältigkeit doch am meisten fasziniert.
Das “Museum for Contemporary Arts” in Sydney sollte also mein Tagesprogramm sein.
Gegen Vormittag bin ich dann am Museum angekommen und hatte mir vorgenommen mir Zeit zulassen. Langsam habe ich mir das erste von drei Stockwerken angeguckt. Amüsante, unglaublich kreative, provokante und erstaunende Ausstellungsstücke habe ich alleine auf dem ersten Level sehen können.



Die Hauptattraktion wartete jedoch auf dem dritten Stock. Eine Japanerin dessen Name „Yayoi Kusama“ ich schon in Japan aufgeschnappt hatte stellte in Sydney aus. Kusama wird zu den bedeutendsten japanischen Künstlern gezählt. Ich bin also weiter durch das Museum geschlendert bis ich schließlich in der verrückt-bunten Welt der Yayoi Kusama angekommen war. Ich habe ein Paar ihrer Ausstellungsstücke bewundert bis ich dann endlich zum Highlight der Ausstellung kam.
Dies war ein Raum der innen völlig verspiegelt war. In diesem hingen kleine Glühbirnchen von der Decke die ihre bekannten “Polka Dots“ aufgreifen. Außerdem sind im Boden elektronische Leuchtelemente eingebaut. Die ganze Installation ist darauf ausgelegt einem durch die gespiegelten Lichteffekte ein interessantes Gefühl zu verleihen.
Als ich nun also an meinem letzten Tag in Sydney dort angekommen war und grade dabei war in den Raum einzutreten ist etwas so unwahrscheinliches passiert. Ich habe zwar keine Statistik erstellt aber wenn würde sie wohl mit eins zu mehreren Millionen gegen diesen Fall sprechen. Es gab in ganz Sydney einen kompletten Stromausfall. Dass genau dieses Ausstellungsstück genau auf das Lebenselexier einer Großstadt angewiesen war, war wohl der dümmste Zufall der nur passieren konnte. Nachdem das Museumspersonal die Evakuation des Museums eingeleitet hat habe ich von einem Mitarbeiter erfahren dass in all seinen 13 Jahren Dienstzeit so etwas noch nie passiert sei.



Das Personal wollte uns dann mit den Worten aufmuntern dass sie morgen ja auch auf hätten. Da mein Flieger am nächsten Tag jedoch um 8 Uhr morgens ging waren alle Hoffnungen dahin. Ich habe mich dann entschieden diesen Vorfall positiv zu betrachten. Ich nenne mich nun einen Gast der an einem der besondersten Tage in 13 Jahren Museumsgeschichte dort anwesend war. Außerdem hat das nur noch mein Reiz an zeitgenössischen Museen gesteigert. Denn das was man ja nicht so direkt bekommt, reizt einen nachher noch mehr. Quasi wie das Kind das von den Eltern hört dass es nicht rauchen darf. Das funktioniert scheinbar auch im positiven Sinne.

Auf dem Weg nach Hause war dann in Sydney „Land unter“. Eine unglaubliche Anzahl von Menschen ist hilflos durch die Gegend gelaufen und wusste nicht was los war.



Es war amüsant zu beobachten wie die so zivilisierte Menschheit ohne Storm funktioniert. Menschen liefen durch einander und alle Geschäfte haben im Handumdrehen geschlossen. Keiner wusste genau was los war und wenn es nur ein Stromausfall war wusste keiner warum es passierte. Ich wollte dann die Situation der aufgebrachten Menge nutzen um das Gerücht der Apokalypse zu verbreiten und mit dem Handel von Seelen und weiteren nützlichen Gegenständen meine Reisekasse aufzubessern. Leider konnte ich in dem Getummel keinen Interessierten finden. Ein wenig enttäuscht aber doch amüsiert bin ich zurück nach Hause gefahren. Nach dem ich Marko die Story erzählt habe, hat sich herausgestellt dass eine seiner Zimmerwände mit abwaschbarer Wandfarbe gestrichen hatte.
Ich habe mir ein Stück Kreide geschnappt und dann meine eigenes zeitgenössisches Museum in seinem Zimmer eröffnet. Es hatte zwar nur 3 Exponate aber immer besser als nichts.
Mein erstes „Meisterwerk“ kann man hier betrachten.



Bei übermäßigem Interesse nach mehr irrer Kunst kann man mich unter worldtrip@live.com stets erreichen.
Das Museum musste zwar leider nach dem ersten Tag wieder geschlossen werden weil der Zimmerbesitzer schlafen wollte. Unverschämtheit!

Der letzte Tag in Sydney ging also noch abendteuerreich und amüsant zu Ende. Man könnte diese letzte Woche glatt als Blaupause für die vergangenen 4 ½ Monate in Downunder verwenden. Die lange Zeit im Land des Kängurus neigte sich dann also dem Ende zu.
Die Zeit war ohne Zweifel wieder eine tolle Schule. Ich habe wieder viel über Land, Leute und Kultur aber viel wichtiger über mich und das Leben gelernt.
Australien war zwar eine wunderbare Zeit jedoch ist die tiefe dieser „irren und neuen Erfahrungen“ gering. Ich würde nicht sagen dass ich bis jetzt irgendwo einen Kulturschock erlitten habe aber ich vergleiche gerne die ersten 2 Minuten in Downunder mit denen in Japan.
Als ich in Tokio aus dem Flugzeug gestiegen bin, habe ich in binnen 120 Sekunden ca. 50 Dinge entdeckt die entweder lustig, komisch, irre, sehr anders oder unverständlich waren.
In den ersten 2 australischen Minuten waren es vielleicht 5. Ich will das Land nicht schlecht reden, ich möchte nur sagen dass die Welt dort unten nicht grundlegend anders tickt als in Deutschland.
Trotz alledem habe ich viele, viele tolle und einen unglaublichen Menschen kennen gelernt. Habe viel gesehen und gelernt. Freue mich nun aber auf Neuseeland und irre Landschaften.

Ich verabschiede mich dann wieder von den werten Zulesern mit einem anständigen
G’day Mate!

Bis bald
Dein/euer
Kevin

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